Eine seriöse Agentur erkennen Sie daran, wie sie mit unbequemen Fragen umgeht. Sie sagt offen, welches Beschäftigungsmodell sie nutzt, und legt die A1-Bescheinigung ohne Ausreden vor. Sie nennt einen Gesamtpreis, ermittelt Ihren Bedarf gründlich und lässt Ihnen Zeit. Die folgenden 15 Fragen beruhen auf den Empfehlungen der Verbraucherzentrale.
Vor dem ersten Anruf: die Website prüfen
- Ist das Impressum vollständig? Name, Anschrift, Handelsregister und verantwortliche Person müssen dastehen.
- Wie erreichen Sie die Agentur? Gibt es eine Telefonnummer mit festen Zeiten, oder nur ein Kontaktformular?
- Sind die Werbeaussagen angemessen? „100 % legal“, „Testsieger“ oder unüberprüfbare Siegel sind kein Beleg. Fragen Sie, wer das Siegel vergeben hat.
- Erklärt die Agentur die Modelle offen? Gute Anbieter sagen auf der Website, ob sie entsenden oder Selbstständige vermitteln, und dass eine Kraft nicht rund um die Uhr arbeiten darf.
Im Erstgespräch: die entscheidenden Fragen
- Welches Beschäftigungsmodell nutzen Sie? Entsendung, Anstellung oder Selbstständigkeit? Bei Selbstständigen besteht das Risiko der Scheinselbstständigkeit.
- Liegt die A1-Bescheinigung am ersten Arbeitstag vor? Die einzig richtige Antwort ist Ja. „Reichen wir nach“ oder „aus Datenschutzgründen nicht möglich“ sind Warnsignale. Nach der DSGVO haben Sie ein berechtigtes Interesse an diesem Nachweis (Verbraucherzentrale).
- Hat die Kraft einen Arbeitsvertrag oder einen Auftragsvertrag? Gerade bei polnischen Entsendefirmen sind Auftragsverträge üblich. Die Kraft hat dann im Krankheitsfall keine volle Absicherung. Mehr dazu im Artikel Pflegekraft aus Polen.
- Ist die Kraft kranken- und haftpflichtversichert?
- Wie ermitteln Sie den Bedarf? Ein Online-Fragebogen nach Alter und Pflegegrad ist das Minimum. Besser: Eine Pflegefachkraft kommt ins Haus und klärt auch den Bedarf in der Nacht.
- Wie gut spricht die Kraft Deutsch, und wie wird das geprüft? Bitten Sie um ein Telefonat oder Videogespräch vor der Anreise.
- Wie viele Stunden arbeitet die Kraft, und wie sind Pausen und Freizeit geregelt? Wer „24 Stunden Betreuung durch eine Person“ verspricht, verspricht etwas, das legal nicht geht.
Vor der Unterschrift: Preis und Vertrag
- Was kostet alles zusammen pro Monat? Mit Vermittlungsgebühr, Reisekosten und Zuschlägen. Laut Verbraucherzentrale liegt eine entsandte Vollzeitkraft meist bei 2.800 bis 3.500 Euro im Monat. Deutlich darunter wird oft an Lohn oder Versicherung gespart. Unsere Rechnung steht im Artikel Kosten der 24-Stunden-Pflege.
- Bekomme ich Vertragsmuster vorab? Eine seriöse Agentur schickt die Verträge zum Durchlesen, ohne dass Sie sofort unterschreiben müssen.
- Was passiert, wenn die Kraft krank wird oder es nicht passt? Gibt es eine Ersatzkraft, wie schnell, und was kostet ein Wechsel?
- Wie und wann kann ich kündigen? Achten Sie auf Kündigungsfristen und Gebühren bei vorzeitiger Beendigung, etwa wenn die pflegebedürftige Person ins Krankenhaus oder Heim muss.
Gute Zeichen und Warnsignale
| Gutes Zeichen | Warnsignal |
|---|---|
| Pflegefachkraft ermittelt den Bedarf vor Ort | nur ein Formular, sofort ein Personalvorschlag |
| A1-Bescheinigung wird unaufgefordert angesprochen | A1 „kommt später“ oder „aus Datenschutzgründen nicht“ |
| Gesamtpreis schriftlich mit allen Posten | Lockpreis, Zuschläge erst im Vertrag |
| Vertragsmuster vorab, Bedenkzeit | Druck: „Nur heute verfügbar“ |
| Ansprechpartner auch nach Vertragsschluss | nach der Vermittlung nicht mehr erreichbar |
| offen zu Arbeitszeit, Freizeit, Grenzen | „rund um die Uhr durch eine Kraft“ |
| erklärt auch Nachteile und Grenzen | „Reisekrankenversicherung statt A1“ |
DIN SPEC 33454: Was das Siegel bedeutet
Einige Agenturen sind nach DIN SPEC 33454 zertifiziert. Sie verpflichten sich damit laut Verbraucherzentrale unter anderem zu fairen Arbeitsbedingungen, zu einer Kundenberatung durch Pflegefachkräfte und zu einer Eignungsprüfung der Betreuungskräfte.
Die Verbraucherzentrale nennt das einen guten ersten Ansatz, warnt aber: Für manche Anbieter kann die Zertifizierung auch nur ein Marketing-Instrument sein. Ein Siegel ersetzt also nicht die Fragen oben.
Erfahrungsberichte richtig lesen
Bewertungen im Internet helfen nur begrenzt. Achten Sie darauf:
- Gibt es auch kritische Bewertungen, und antwortet die Agentur sachlich darauf?
- Klingen viele Bewertungen gleich oder erscheinen sie alle in kurzer Zeit? Das spricht eher für gekaufte Bewertungen.
- Fragen Sie im Bekanntenkreis, beim Pflegestützpunkt oder in Selbsthilfegruppen nach Erfahrungen vor Ort.
Wenn es nicht passt
Nicht jede Vermittlung klappt. Typische Probleme sind Sprachschwierigkeiten, eine Überforderung der Kraft oder ein höherer Bedarf als gedacht.
- Früh mit der Agentur sprechen. Eine gute Agentur sucht eine Lösung oder eine Ersatzkraft.
- Bedarf neu einschätzen. Wird nachts regelmäßig Hilfe gebraucht, reicht eine Kraft nicht. Dann ist ein Pflegemix mit Pflegedienst oder Tagespflege nötig.
- Beratung holen. Die Pflegeberatung der Pflegekasse und die Verbraucherzentralen helfen kostenlos weiter.
Einen Überblick über Modelle, Aufgaben und Vorbereitung gibt der Ratgeber 24-Stunden-Pflege zu Hause.
Quellen
- Verbraucherzentrale: Wie finde ich eine seriöse Vermittlungsagentur für häusliche Betreuung?, abgerufen am 26.10.2026
- Verbraucherzentrale: A1-Bescheinigung: Diese Tricks sind für Verbraucher riskant
- Verbraucherzentrale: Ausländische Betreuungskräfte – wie geht das legal?
Die Checkliste hilft Ihnen, jedes Angebot selbst zu prüfen. Für Ihren Einzelfall beraten die Verbraucherzentralen und die Pflegeberatung Ihrer Pflegekasse.


